Meine Verwandtschaft mit Dr. Martin LUTHER - über die Eisenacher Bürgerfamilie LINDEMANN 

Die Familie LINDEMANN ist eine alte Eisenacher Bürgerfamilie, deren erster nachweisbarer Vertreter, Hans LINDEMANN, im Jahre 1406 das Bürgerrecht erwarb. Seine Nachkommen zeigten schon bald wissenschaftliche Tendenzen. Schon 1444 finden wir den ersten Eisenacher LINDEMANN in der Matrikel der Erfurter Universität (Quelle: Familienblatt der LUTHERiden-Vereinigung, 4. Band, Heft 29, September 1955, S.157).
 
Mein Ahnengroßvater (XIV. Generation, KEKULÉ-Nr. 16408) David LINDEMANN, * um 1456-60 in Bad Neustadt an der Saale, † Nicht bekannt; Bürger in Neustadt an der Saale (Franken); oo um 1488 N. N., ist ein Bruder der Mutter Martin LUTHERS: Margaretha LINDEMANN, * um 1460 Neustadt a. d. frank. Saale, † 30.06.1531, oo 1479 in Eisenach Hans LUDER,  * err. 1459 Möhra oder Eisenach, † 05.06.1530 Mansfeld; Bergmann u. Schieferhauer, hernach Ratsherr zu Mansfeld.
 
David LINDEMANN ist der Vater des (XIII. Generation, KEKULÉ-Nr. 8204) Johann LINDEMANN, erwähnt als „Johann zur Neustatt an der Rhene“, * 1488 Bad Neustadt/ Fränkische Saale (Franken), † 18.04.1554 in SchweinfurtMagister der Universität zu Wittenberg Prediger, Pfarrer zu Auerbach (Vogtland), Superintendent. III. oo um 1545 in Auerbach (Vogtland) Margarethe SPORERin.
 
In dem Buch "Die Geschichte des Bauernkrieges in Ostfranken" von Magister Lorenz FRIES, Schreiber des Würzburger Bischofs -es erschien in Würzburg 1883 im Druck der THEIN'schen Druckerei, Verfasser August SCHÄFFLER und Theodor HENNER- erwähnt Lorenz FRIES die Prediger LINDEMANN und ANDRES im Zusammenhang mit dem Aufstand des Bildhäuser Bauernhaufens:
 

Beide Prediger werden von den "hauptleut" des Bildhäuser Haufens schriftlich beim Rat der mit den aufständischen Bauern und Handwerkern verbündeten Stadt Neustadt an der Saale (Unterfranken) zur Schlichtung von unterschiedlichen Auslegungen des evangelischen Glaubens innerhalb des Bauernhaufens angefordert. Dort hatten sich zwei gegensätzliche politisch-religiöse Gruppierungen gebildet: Zum einen eine reformatorisch-gemäßigte und zum anderen eine unter dem Einfluss Thomas MÜNTZERs stehende sozialrevolutionär-radikale. Die Anführer des Haufens fürchteten um innere Aufruhr.

Lorenz FRIES: Die Bilthauser versamlung hette ain prediger, der inen das gotswort vorsagen sollte. nun kame der selbigen zeit ain kursner aus Thuringen, so des Thomas MUNTZERs junger ainer was, in das lager. der fing auch an zu predigen, und was sein predig dahin gericht, man solte die obrickait mit dem schwert vertilgen und das blut darumb vergiesen. Darwider was des lagers prediger, und hette jeder tail seine anhenger. Dieweyl aber die hauptleut bedunken wart, wa nit darein geschen, das solche zwispalt ie lenger je mer wachsen und villeicht zum letzten unter inen selbst ursach geben wurde zu ufrur, schreiben si gein der Neuenstat an burgermaister und rathe inen ire zwen prediger zuzuschicken, solche irrung zum pesten zu entschaiden: „Cristenliche, liebe gebrudere. es ist in neulichen tagen neben unserm angenomen prediger, der ain priester ist, ain layhe, seines handwerks ein kursner, ufgestanden, die sich in irer predig etwas zwispaltig (nachdem des layhen maynung, der aus Thuringen komen ist, sich ufs blutvergiessen erstreckt) erzaigen. so haben wir aber bericht, das ir zwen berombte, der hailigen geschrift verstendige bey euch habt, nemlich herrn Johan LINDEMAN und herrn ANDRESen euren predicatorem, bitten wir euch gar freuntlichen von der gotlichen ewangelischen warhait wegen: wollet uns dieselbigen zwen morgen frue [Mai 31] umb siben hore ufs lengst hieher zu uns abvertigen, zwischen angezaigten predicanten uf beder ongeverliche verhorung schiedliche richtung zu machen und zu erkennen; dan wir und ain ganze versamlung des haufens zu gemelter verhöre bewilligt haben. wa aber gerurte LINDEMAN und her ANDRES des scheu hetten, geben wir inen hiermit von ir gewarsame aus zu, bey und von uns bis wider in ir gewarsame unser frey, strack, sicher glait fur uns, alle unsere zugewante und christliche brudere, der wir ongeverlich mechtig sind, der zuversicht: si und ir werden uns der gotlichen warhait zu steur gunstiglich wilfahren. das wollen wir in allem gutten bedenken und geren verdienen. datum am dinstag nach Exaudi [Mai 30, 1525]“. Quelle: Die Geschichte des Bauernkrieges in Ostfranken von Lorenz FRIES, erschienen in der Virtuellen Bibliothek Würzburg unter der Signatur 10/NZ 91360 F912 (http://franconica.uni-wuerzburg.de/ub/10nz91360f912/pages/10nz91360f9121/473.html), Datum des Online-Besuches: 29.01.2015. Ob LINDEMANN und ANDRES dann auch tatsächlich beim Bildhäuser Haufen zur Schlichtung erschienen sind, geht aus dem o. a. Buch leider nicht hervor.  

Johann LINDEMANN wird mehrfach in die Wirren verschiedener Kriege verwickelt: „Während des Schmalkaldischen Krieges verlor LINDEMANN in Auerbach bei einen Einfall böhmischer Truppen seine umfangreiche Bibliothek, musste Auerbach verlassen und kam bei seinem Vetter Cyriacus LINDEMANN, dem damaligen Rektor der Fürstenschule Pforta, unter. Durch Vermittlung von Philipp MELANCHTON wurde LINDEMANN 1547 Pfarrer und Superintendent in Schweinfurt. Er starb während des Zweiten Markgrafenkrieges 1554. Er hinterließ mindestens sechs Kinder. Verheiratet war Johannes LINDEMANN zweimal in Schleusingen und in dritter Ehe mit Margarethe N. (wiederverheiratete SPORER), die vermutlich aus Auerbach/Vogtl. stammte. Sein ca 1532/33 geborener älterer Sohn, Mag. Philipp LINDEMANN starb 1563 ohne Nachkommen. Sein 1547 geborener jüngster Sohn Johannes (Anm.: KN 4102) wurde Schulmeister im erzgebirgischen Bockau und starb dort am 30. Oktober 1621. Er und seine Schwester Anna hinterließen eine zahlreiche Nachkommenschaft.“ Quelle: Wikipedia.
 
 
 
 
 

                                                                                                                                                       

      Linke Abb.: Die Lutherrose                  Rechte Abb.: Wappen von BORA